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Patientenfreundliche Therapien in Sicht
Bislang sind Beta-Interferone und Glatiramer (Copaxone®) bei der Behandlung von Multiple Sklerose (MS) der Standard. Nun befinden sich einige neue Arzneistoffe im späten Stadium der klinischen Entwicklung, deren Ergebnisse aufhorchen lassen. In den nächsten Jahren könnten sie Bewegung in die MS-Therapie bringen. Fingolimod, Fampridin, Cladribin und Teriflunomid sind vier neue Substanzen, die sich alle in zulassungsrelevanten Phase-III-Studien befinden. Alle vier Substanzen können patientenfreundlich oral gegeben werden. Im Gegensatz dazu müssen die bislang eingesetzten MS-Therapeutika injiziert werden. Unterschiede der neuen Kandidaten zeigen sich unter anderem im Wirkmechanismus. Wirkstoff kommt aus TCM Bei Fingolimod (FTY720) handelt es sich um ein synthetisch hergestelltes Derivat von Myriocin. Myriocin ist ein immunsuppressiv wirkendes Stoffwechselprodukt aus Isaria sinclairii, einem Pilz, der in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) verwendet wird. Durch die chemische Veränderung wirkt Fingolimod stärker immunsuppressiv als Myriocin, ist jedoch weniger toxisch. Fingolimod ist ein Vertreter einer neuen Klasse von Immunsuppressiva, den Sphingosin-1-phosphat-(S1P)-Rezeptoragonisten. Im Körper wird Fingolimod in die aktive, phosphorylierte Form überführt. Diese bindet an S1P-Rezeptoren auf den T-Lymphozyten und verhindert dadurch deren Migration aus den Lymphknoten in die Blutbahn oder auch das zentrale Nervensystem. Inflammatorische T-Lymphozyten werden als mögliche Auslöser für die Zerstörung der neuronalen Myelinscheiden und damit für die beeinträchtigte neuronale Signalübertragung angesehen. Diese führt zu den MS-typischen Symptomen wie motorische Funktionsstörungen, Beeinträchtigungen des Sehvermögens, Parästhesien, Gangunsicherheiten, Tremor und psychische Symptome wie Depressionen (1). Fingolimod halbiert Schubrate Erste Ergebnisse zur Wirksamkeit und Verträglichkeit liegen aus einer placebokontrollierten randomisierten Phase-II-Studie vor. 255 Patienten, die an schubförmig verlaufender MS litten, erhielten 1,25 oder 5 mg Fingolimod oder Placebo für sechs Monate. Der primäre Studienendpunkt war die Gesamtzahl der Läsionen, die mithilfe eines T1-gewichteten Magnetresonanztomogramms (MRT) in monatlichen Abständen detektiert wurden (siehe Kasten). Die durchschnittliche Zahl der Läsionen war bei Patienten, die mit 1,25 (eine Läsion, p < 0,001) beziehungsweise 5 mg Fingolimod (drei Läsionen, p = 0,006) behandelt wurden, signifikant niedriger als bei den Patienten der Placebogruppe (5 Läsionen). Die jährliche Schubrate betrug unter Placebo 0,77 im Vergleich zu 0,35 unter der 1,25-mg-Dosis (p = 0,009) und 0,36 unter der 5-mg-Dosis (p = 0,01). Nach Beendigung der Studie schloss sich eine 18-monatige Verlängerungsstudie an, die 227 Patienten beendeten. Dabei erhielten diejenigen, die ehemals Placebo einnahmen, ebenfalls Fingolimod. Zwischen Monat 15 und 24 wurden alle Patienten auf die niedrigere Fingolimod-Dosis umgestellt. Ärzte und Patienten waren während der Verlängerungsstudie weiterhin verblindet. Die jährliche Schubrate für die Gesamtdauer der Studie sank auf 0,20 bei Patienten, die kontinuierlich Fingolimod erhalten hatten, und auf 0,33 bei Patienten, die nach sechsmonatiger Placebobehandlung auf Fingolimod umgestellt wurden. Das MRT nach 24 Monaten wies bei 84 Prozent der Fingolimod- und 85 Prozent der Placebo-Fingolimod-Gruppe keine Läsionen auf. Die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen waren eine Entzündung der Nase und des Rachens, Influenza, Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen, Durchfall und Übelkeit. Unter Fingolimod wiesen mehr Patienten erhöhte Alaninaminotransferase-Werte auf als unter Placebo (10 bis 12 versus 1 Prozent). Zudem wurde eine initiale Verringerung der Herzfrequenz und des forcierten Exspirationsvolumen in der ersten Sekunde beobachtet. Auch Blutdruckerhöhungen, vor allem zu Beginn, traten auf (2, 3). Zulassung 2009 möglich Aufgrund der positiven Daten der Phase-II-Studie hat Novartis 2006 drei Phase-III-Studien initiiert. In allen drei Studien wird die niedrigere Dosis (1,25 mg) getestet, bei der in der Phase II weniger Infektionen der oberen Atemwege aufgetreten waren. Darüber hinaus wird die Wirksamkeit einer noch niedrigeren Dosis (0,5 mg) evaluiert. Im Januar wurde mit der Rekrutierung für die in Europa, Kanada und Australien durchgeführte FREEDOMS-Studie begonnen. In dieser Studie sollen 1250 MS-Patienten, die an der schubweise mit Remissionen verlaufenden Form leiden, über zwei Jahre mit Fingolimod oder Placebo behandelt werden. Der primäre Studienendpunkt ist die jährliche Schubrate. Unter dem gleichen Studienprotokoll werden seit Juni 2006 in den USA 960 Frauen mit schubförmiger MS rekrutiert. Bei TRANSFORMS handelt es sich um eine Studie, bei der die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Fingolimod mit Interferon-beta 1a verglichen wird. In die zwölfmonatigen, multinationalen Studie werden 1275 Patienten mit schubförmiger MS eingeschlossen, die einmal täglich Fingolimod oral oder einmal wöchentlich 30 µg Interferon-beta 1a injiziert erhalten (5). Sollten die Studien ähnlich positive Ergebnisse zeigen, wäre eine Zulassung 2009 möglich. Quelle: www.pharmazeutische-zeitung.de
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