Der Weg mit MS

                                                      
Multiple Sklerose.

Zusammenfassung:
Bei der Multiplen Sklerose kommt es durch Entzündungen zu einer fortschreitenden Zerstörung der Markhülle um die Nervenfasern in Gehirn und Rückenmark. Dadurch wird die Nervenreizleitung gestört. Die Entzündungen treten in Herden auf und hinterlassen sogenannte Plaques.
Typischerweise tritt die Krankheit in Schüben auf, die anfangs meist in größeren und später in kürzeren Abständen folgen. Je nach dem vorwiegenden Auftreten der Plaques können die Beschwerden verschieden sein. Anfangs sind Sehstörungen und Gefühlstörungen in den Beinen besonders häufig. In der Folge kann es zu Lähmungen unterschiedlichen Ausmaßes kommen, zu Sprechstörungen und einer extremen Empfindlichkeit auf Berührungen. Charakteristisch ist die Verschlechterung der Symptome bei Wärme.
Die Multiple Sklerose ist nach wie vor unheilbar. Die meisten Betroffenen können aber ein selbstständiges Leben führen. Schwere Verlaufsformen sind in der Minderzahl. Moderne Behandlungsmethoden haben die Lebenserwartung nahezu dem Bevölkerungsdurchschnitt angeglichen.

 

  • URSACHEN.
  • BESCHWERDEN.
  • DIAGNOSE.
  • BEHANDLUNG.
  • LEBEN MIT DER KRANKHEI.


Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Erkrankung von Gehirn und Rückenmark, die zur punktuellen Entmarkung von Nervenfasern führt. Die Entmarkung geht auf Entzündungen in den Hüllen der Nervenfasern zurück, die auch Markscheide oder weiße Substanz genannt werden. Die erkrankten Stellen (Plaques) treten in Herden auf. Nach und nach kommt es aber zu massiven Störungen der Reizleitung in den Nervenfasern.
In Anspielung auf die Entzündungen wird die Multiple Sklerose auch Encephalitis disseminata genannt.
Die Multiple Sklerose ist die häufigste Nervenerkrankung junger Erwachsener, die zur Behinderung führen kann. Die meisten Betroffenen erkranken zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Am häufigsten wird sie in kühlen Klimazonen (Mittel- und Nordeuropa, USA, Südkanada, Südaustralien, Neuseeland) diagnostiziert. Dort liegt die Häufigkeit bei etwa 100/100.000. Frauen erkranken annähernd zweimal so häufig wie Männer.

Ursachen:
Die letzte Ursache der Multiplen Sklerose konnte trotz intensiver Forschung bisher noch nicht restlos geklärt werden. Es gilt aber als sicher, dass ein Angriff des Immunsystems auf körpereigene Proteine der Markscheiden (Autoimmunreaktion) ausschlaggebend für die Entzündungen ist. Die Frage, warum es zu dieser Autoimmunreaktion kommt, kann derzeit nur mit Hypothesen beantwortet werden. Als sicher gilt aber, dass mehrere Faktoren zusammen treffen müssen.
Einer davon könnte ein Krankheitserreger sein. Schon seit hundert Jahren wird danach gesucht. Viele wurden in Erwägung gezogen und wieder verworfen. Derzeit meinen die Forscher, dass gewisse Viren an der Entstehung der Multiplen Sklerose beteiligt sein könnten. Dafür würde auch die Häufung der Multiplen Sklerose in kühlen Klimazonen sprechen, die sich mit dem Verbreitungsgebiet der Viren decken könnte. Bis jetzt gibt es aber noch keines, das oder dessen Spuren (Antikörper) bei allen Patienten gefunden worden wäre. Unter anderem wird das Masern-Virus diskutiert, es kommen aber mehrere in Frage.
Vielleicht ist es auch gar nicht möglich, das Auslöser-Virus bei Ausbruch der Krankheit noch im Körper nachzuweisen. Denn die Multiple Sklerose könnte - so die Hypothese - auf eine Infektion im Kindesalter zurückgehen, bei der Reste der Erreger im Zentralnervensystem zurückbleiben. Im Zug der weiteren Reifung des Immunsystems würden diese dann immer stärker angegriffen. Im Lauf der Zeit könnte es zu "Irrtümern" des Immunsystems kommen, die dann dazu führen, dass es den eigenen Körper angreift.

Das tut es aber nur, wenn schon eine gewisse Bereitschaft dazu besteht. Die dürfte auf bestimmte molekulare Veränderungen in dem Teil des Immunsystems zurückgehen, der für die Unterscheidung vonSelbst und Nicht-Selbst zuständig ist. Diese Eigenheiten treten zum Teil spontan auf, zum Teil können sie auch vererbt werden. Tatsächlich tritt die Multiple Sklerose zu drei bis zwölf Prozent familiär gehäuft auf. Auffallend hoch (33 Prozent) ist das Multiple Sklerose-Risiko aber nur bei einem eineiigen Zwilling, dessen Zwillingsbruder oder -schwester an Multiple Sklerose erkrankt ist.
Eine ganze Reihe weiterer möglicher Einflüssen auf die Entstehung der Multiplen Sklerose wird derzeit untersucht. Die Tatsache, dass Frauen häufiger betroffen sind als Männer, könnte auf hormonbedingte Unterschiede im Immunsystem zurückzuführen sein. Die unterschiedliche geografische Verteilung der Multiplen Sklerose könnte auch mit der Besiedlung durch bestimmte Bevölkerungsgruppen zu tun haben. Die Gebiete mit hohem Vorkommen von MS werden überwiegend von "Kaukasiern" bewohnt. Diskutiert werden auch Einflüsse der Ernährung. Manche Studien finden nämlich einen Zusammenhang zwischen hohem Fleischverbrauch, hohem Milchkonsum, geringem Fischkonsum und der Häufigkeit von Multipler Sklerose. Auch der Hygienestandard könnte einen Einfluss auf die Entstehung der Multiplen Sklerose haben. Am häufigsten tritt die Krankheit nämlich in Ländern mit hohem Hygienestandard und da in sozioökonomisch gut gestellten Schichten auf. Es wäre möglich, dass das Immunsystem der behüteten Kinder langsamer reift und dadurch leichter Erregerreste im Körper zurückbleiben können.
Risikofaktoren im engeren Sinn, durch deren Vermeidung eine sinnvolle Vorsorge getroffen werden könnte, sind nach derzeitigem Wissensstand nicht bekannt.

Mögliche Folgeerkrankungen und Komplikationen:
Bei rund einem Drittel der Betroffenen beeinträchtigt die Multiple Sklerose die Nervenfasern in einem so geringen Ausmaß, dass Folgeschäden nicht oder erst in hohem Alter zu bemerken sind. Bei einem weiteren Drittel der Patienten kommt es zu mäßigen Behinderungen, wobei die Betroffenen noch ein selbstständiges Leben führen können. Bei einem Drittel der Betroffenen entstehen schwere Behinderungen.
Wie viel Zeit vom Einsetzen der ersten Symptome bis zum Auftreten von Behinderungen vergeht, ist sehr unterschiedlich. Die Schwere der Folgeerkrankungen hängt auch davon ab, wie gut ärztliche Versorgung, Pflege, Rehabilitationsmaßnahmen und sozialmedizinische Betreuung sind.
Eine häufige Folgeerscheinung der Multiplen Sklerose ist Gewichtsabnahme und Mangelernährung. Die Ursache könnte in einer auf eine Schädigung des Gehirns zurückgehenden Störung der Nahrungsverwertung liegen sowie in einer Störung der Nahrungsaufnahme im Darm. Manche Betroffene entwickeln eine Osteoporose. Bei Blasenstörungen sind Harnwegsinfekte möglich, die auch auf die Niere übergreifen können. Da die Lunge wegen der eingeschränkten Beweglichkeit oft schlecht durchblutet wird, besteht auch eine Neigung zu Lungenentzündungen. Schließlich kann es bei schweren Bewegungsbehinderungen zu Druckgeschwüren kommen.

Beschwerden:
Die Multiple Sklerose gehört zu den neurologischen Krankheiten mit den meisten Gesichtern. Da die Entzündungen und Plaques an verschiedenen Stellen in Gehirn oder Rückenmark auftreten, können auch die neurologischen Störungen und damit die Beschwerden sehr unterschiedlich sein. Einige sind jedoch charakteristisch.

Typische anfängliche Beschwerden: Anfangs fallen dem Betroffenen häufig Schwierigkeiten beim Sehen auf. Das können zum Beispiel Doppelbilder sein, die auf ein Augenzittern zurückgehen. Das Sehfeld kann auch kleiner werden. Oft treten Gefühlsstörungen auf, die sich durch unangenehmes Kribbeln und Taubheit vor allem in den Beinen äußern. Es kann auch zu einem Nachlassen der Kraft in den Beinen kommen. Der Betroffene stolpert häufig.

Beschwerden generell: Fast 90 Prozent der Betroffenen leiden unter Lähmungserscheinungen, die von einem Schwäche- und Schweregefühl in den Beinen bzw. Armen bis zu ausgeprägten spastischen (krampfartigen) Lähmungen reichen können. Die Lähmungen können auch die Rumpfmuskulatur erfassen und Schwierigkeiten beim Aufrechtsitzen bereiten. Sie können bis zur völligen Bewegungslosigkeit führen.
Gleichzeitig mit den Lähmungserscheinungen kommt es oft zu Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen. Die Betroffenen haben das Gefühl, wie auf Watte zu gehen. Der Gang wird unsicher und breitbeinig, gleichzeitig steif und zittrig. Bei einer ausgeprägten Störung der Koordinationsbahnen entwickelt sich ein sogenannter Intentionstremor. Wenn der Betroffene etwas angreifen möchte, beginnt die Hand kurz davor zu zittern.
Gleichgewichtsstörungen können sich auch als Schwindelgefühle bemerkbar machen. Die Betroffenen fühlen sich "seekrank".
Sehr häufig treten auch Empfindungsstörungen auf, an denen rund 90 Prozent der Betroffenen
auch Empfindungsstörungen auf, an denen rund 90 Prozent der Betroffenen.

Verlaufsformen:
Welche Beschwerden wann auftreten, hängt von der Verlaufsform der Krankheit ab. Einzelne "Schulen" unterscheiden bis zu sieben Verlaufsformen, die sich aber im Wesentlichen drei Typen zuordnen lassen. Die Grenzen sind allerdings fließend, wobei Übergänge meist zum Typ mit der schwereren Verlaufsform stattfinden.

Schubförmiger Verlauf:
Der jahrzehntelange, schubförmige Verlauf ist weitaus am häufigsten und tritt bei etwa der Hälfte der Patienten auf. Als Schub wird bei der Multiplen Sklerose eine vorübergehende Verschlechterung der Symptome bezeichnet - oder eine Phase, in der überhaupt Symptome auftreten. Das heißt also, dass die Symptome sich zurückbilden können (Remission), was sie in der Regel anfangs mehr und mit fortschreitender Krankheit weniger tun. Ein typischer Schub hält wenige Tage bis zu mehrere Wochen an. Die Schübe treten anfangs in größeren Abständen von einigen Jahren auf, später in kürzeren Intervallen.

Chronisch progredienter Verlauf:
Bei etwa einem Drittel der Betroffenen nimmt die Krankheit einen chronisch progredienten Verlauf. Dabei verschlechtert sich der Zustand kontinuierlich, wenn auch nicht immer mit der gleichen Geschwindigkeit. Es kommt früher zu wesentlichen Behinderungen als beim schubförmigen Verlauf, meist nach fünf bis zehn Jahren.

Sekundär chronisch-progredienter Verlauf:
Bei jedem zehnten Betroffenen geht der anfangs schubförmige Verlauf nach einem der ersten Schübe in einen chronisch-progredienten Verlauf über.

Diagnose:
Bei der neurologischen Untersuchung werden Bewegung, Koordination, Gleichgewicht und Sinnesorgane überprüft. Bei Verdacht auf Multiple Sklerose ist auch die Untersuchung des Sehnervs wichtig, denn er ist oft sehr früh von Entzündungen betroffen.
Entzündungsherde (Plaques) im Gehirn können mit einer Kernspintomografie nachgewiesen werden - anfangs bei 85 Prozent der Patienten, später bei 95 Prozent. Manchmal bilden sich aber gar keine Entzündungsherde im Gehirn, sondern nur im Rückenmark, oder sie sind im Gehirn auch mit einer Kernspintomografie nicht zu erkennen.
Informationen über die Abläufe im Immunsystem liefert die labormedizinische Untersuchung des Liquors. Die Gehirnflüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umspült, wird mit einer Lumbalpunktion aus dem Rückenmarkskanal entnommen. Darin können sich typische Eiweißkörper befinden. Der Liquorbefund besitzt anfangs eine Treffsicherheit von 60 Prozent, später steigt sie auf 80 Prozent.
Durch evozierte Potenziale lässt sich zu 75 Prozent eine verlangsamte Signalübertragung in den Nerven und damit deren Schädigung nachweisen. Die labormedizinische Untersuchung des Blutes dient vor allem dazu, andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen auszuschließen. Dazu gehören die Lyme-Borreliose, einige seltene Erbkrankheiten und Aids.
Es kann manchmal Wochen, Monate oder Jahre dauern, bis die Diagnose eindeutig feststeht. Sie gilt dann als gesichert, wenn in einem Jahr mindestens zwei Schübe aufgetreten sind oder ein Schub mit schlechter Rückbildung der Symptome; ferner wenn zwei oder mehr Symptome aufgetreten sind, wenn die Eiweißwerte im Liquor erhöht sind und wenn Entzündungsherde in der Kernspintomografie nachgewiesen werden konnten.

Behandlung:
Die Patienten sprechen sehr unterschiedlich auf die zur Verfügung stehenden Therapien an. Das hängt nicht nur vom Verlauf der Krankheit ab, sondern auch von individuellen Faktoren. Die Behandlung muss daher nach individuellen Bedürfnissen ausgerichtet sein.
Die medikamentöse Behandlung besteht aus einer entzündungshemmenden und immunmodulatorischen Therapie sowie aus Therapien gegen verschiedene Symptome. Maßnahmen der Neurorehabilitation sind ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung der Multiplen Sklerose.

Medikamentöse Behandlung:
Für die Behandlung eines akuten Schubs stehen ultrahoch dosierte Glukokortikoide im Vordergrund, die entzündungshemmend wirken. Dadurch kann der Schub verkürzt und das Auftreten des nächsten Schubs hinausgezögert werden. Zwischen den Schüben kommen Immunsuppressiva zum Einsatz, die das Intervall bis zum nächsten Schub verlängern können. Auch immunmodulierende Medikamente sollen in diese Richtung wirken. Eine Langzeittherapie mit Interferon-beta kann die Schubrate senken. Das kann auch mit dem synthetischen Eiweißstoff Copolymer-1 erreicht werden. Der Einsatz von intravenösen Immunglobulinen ist umstritten.
Bei chronisch progredientem Verlauf oder häufigen Schüben kann eine zusätzliche Behandlung mit einem Zytostatikum das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen.

Behandlung der Symptome:
Gegen die Spastik helfen Muskelrelaxantien oder Tranquilizer. Durch Gefühlsstörungen hervorgerufene Schmerzen können mit Antiepileptika und membran-stabilisierenden Medikamenten behandelt werden. Gegen das Zittern der Hände bei zielgerichteten Bewegungen helfen ebenfalls Antiepileptika, Dopaminagonisten bzw. Anticholinergika. Gegen Blasenstörungen können Spasmolytika helfen. Schwindelzustände können oft mit Mitteln gegen Seekrankheit gebessert werden.

Rehabilitation:
Die Neurorehabilitation ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung der Multiplen Sklerose. Da die Erkrankung bei einzelnen Patienten zu sehr vielen verschiedenen Formen neurologischer, neuropsychologischer und psychischer Beeinträchtigungen führen kann, können auch die notwendigen Rehabilitationsmaßnahmen je nach Patient unterschiedlich sein. Die Rehabilitationsmaßnahmen können helfen, dass Körperfunktionen nicht oder später verloren gehen. Sie können verlorene Funktionen zum Teil auch wieder zurückbringen.
Zerstörte Nervenzellen können sich zwar nicht regenerieren. Es kann aber zur Umorganisation von Hirnarealen ("Plastizität" des Gehirns) kommen, so dass manche Hirnfunktionen wieder neu erlernt werden können. Auch bei den Nerven, die den Körper versorgen, sind Umorganisationsprozesse möglich. Die Neurorehabilitation unterstützt diese Umorganisationsprozesse einschließlich der davon abhängigen Muskulatur. Die Maßnahmen der Neurorehabilitation hängen nicht von der Ursache der Beeinträchtigung ab, sondern von ihrer Art. Eine effektive Neurorehabilitation braucht das Zusammenwirken mehrerer therapeutischer Bereiche.

E
ine zentrale Rolle spielt die Physiotherapie, die Bewegungsstörungen mildern kann. Meist wird bei der Multiplen Sklerose die Bobath-Therapie oder die PNF-Therapie eingesetzt. Auch eine Unterwasserbewegungstherapie ist gut geeignet. Die Bewegungsübungen können die erhöhte Muskelspannung (Spastizität) lockern. Sie können das Gehvermögen verbessern, Koordination und Gleichgewichtssinn trainieren. Für Pferdeliebhaber eignet sich Hippotherapie gut, um Haltung und Bewegung zu trainieren. Die Physiotherapie ist auch besonders wichtig bei Blasenstörungen, wo durch ein Training der Beckenbodenmuskulatur eine Besserung erzielt werden kann.
Methoden der Ergotherapie helfen, die Feinmotorik zu stärken und zielen auf alle Bewegungen
, die für die Erhaltung der Selbständigkeit im Alltag notwendig sind. Sprachstörungen können mit der Logopädie verringert werden.
Bei leichten Beeinträchtigungen, mit denen der Patient den Alltag selbstständig bewältigen kann, werden
die Rehabilitationsmaßnahmen ambulant durchgeführt.
Bei schwererem Behinderungsgrad, aber noch erhaltener Selbständigkeit ist ein wiederholter Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik günstig. Die intensive Betreuung hilft, eventuellen neuen Beeinträchtigungen mit weiteren Maßnahmen zu begegnen.

Ergänzende Maßnahmen:
Eine vollständige Auflistung und Einteilung der komplementärmedizinischen Verfahren in anerkannte, zweifelhafte, nicht allgemein anerkannte oder gesichert nutzlose therapeutische Verfahren ist angesichts der mangelhaften Datenlage kaum durchführbar. Eine Auswahl und Bewertung bestimmter Therapieformen wird aber dennoch angeführt: Diese Bewertung der Einschätzung kann sich in den nächsten Jahren sicherlich wieder verändern und stellt auch derzeit keine Konsensmeinung dar.

Akupunktur ist für die Behandlung der Multiplen Sklerose nur bedingt von Nutzen. Sie kann gegen Schmerzen, Muskelverspannungen und Übelkeit helfen, es ist aber Vorsicht beim Akupunktieren von Regionen mit geschädigten Nerven geboten. Dasselbe gilt für Akupressur. Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Muskelentspannung nach Jacobson oder Biofeedback können zweckmäßig sein, um besser mit der Krankheit umgehen zu lernen. Massage verhilft manchen Patienten zu einer Steigerung des Wohlbefindens, manche reagieren auf die manuellen Reize aber überempfindlich. Reflexzonentherapien sollen Schmerzen lindern und Körperfunktionen beeinflussen. Auch hier reagieren manche Patienten paradox. Die Traditionelle Chinesische Medizin kann in manchen Fällen eine wirksame Ergänzung zur westlichen Schulmedizin sein. Homöopathie soll dem Körper bei der Regulierung seiner gestörten Lebenskraft helfen und auch gegen Symptome wirken. Bei Multipler Sklerose ist nur bei einem kleinen Teil der Patienten ein Nutzen zu beobachten. Manualtherapie ist bei Multipler Sklerose wenig sinnvoll und sollte nur beschränkt bei Schmerzen im Bewegungsapparat eingesetzt werden. Osteoporose ist ein gravierender Risikofaktor.

Gegen Multiple Sklerose werden zahlreiche unkonventionelle, wissenschaftlich nicht anerkannte Therapieverfahren eingesetzt, die von Einzelpersonen als hilfreich empfunden werden. Aromatherapie mit verschiedenen ätherischen Ölen wird manchmal als beruhigend und entspannend empfunden. Bach-Blütentherapie kann als ergänzender Behandlungsversuch zur Beruhigung und Entspannung beitragen. Extrakte von Weihrauch zum Einnehmen können in Einzelfällen zu einer Besserung der Befindlichkeit führen, eine Heilung durch enthaltene Hemmer von Entzündungsstoffen ist aber nicht zu erwarten. Patienten berichten, dass ihnen Haschisch (Cannabis) Linderung verschafft. Wissenschaftliche Untersuchungen dazu existieren nicht. In Tierversuchen mit Mäusen wurde aber eine mögliche Erklärung gefunden. Demnach soll sich Cannabis an einen bestimmten Rezeptor binden und dadurch das Zittern mildern und die Verkrampfungen lösen. Mit Hypnose, Selbsthypnose, Trance und Imagination können manche Patienten ihre eigene Vorstellungskraft für eine Besserung des Befindens nützen. Die Neuraltherapie soll Schmerzen lindern, "Regulationsstarre" lösen und das Wohlbefinden steigern.

Paramedizinische Verfahren:
Als "medizinferne", paramedizinische Therapieform von beschränktem Nutzen gilt zum Beispiel die Bioresonanztherapie, die krankmachende Energien und krankheitsbedingte Schwingungen im Körper positiv beeinflussen soll. Auch die Eigenbluttherapie, durch die das Allgemeinbefinden umgestimmt werden soll, gilt als wenig zweckmäßig. Messungen an bestimmten Reaktionsstellen im Rahmen der Elektroneuraltherapie nach Croon sollen Aufschluss über erkrankte Körperregionen geben - und dann das "Terrain" mittels gezielter Reizstrombehandlung günstig beeinflusst werden. Die manchmal versprochene umfassende Heilung ist damit keinesfalls möglich. Außerdem darf sie bei akuten Entzündungen nicht angewendet werden. Für eine Wirksamkeit der Magnetfeldtherapie, die den Zellstoffwechsel anregen und Beschwerden lindern soll, fehlt jeder Hinweis. Sauerstofftherapien und Ozontherapien sollen der Radikalbildung entgegenwirken und der Patient soll "umgestimmt" und belebt werden. Eine "Symbioselenkung" mit bestimmten Darmbakterien, die günstige Auswirkungen auf das Immunsystem haben sollen, eignet sich höchstens als ergänzender Behandlungsversuch.

Abzulehnende Methoden:
Es ist eine Reihe von Nahrungsergänzungsmitteln und Therapiekonzepten für Multiple Sklerose auf dem Markt, von deren Verwendung abgeraten wird. Gewarnt wird vor einer Frischzellentherapie, bei der Organextrakte von frisch geborenen Tieren oder von Tierembryonen injiziert werden. Dabei kann es zu möglicherweise tödlich verlaufenden Überempfindlichkeitsreaktionen kommen. Für die Enzymtherapie mit einem Cocktail verschiedener Enzyme, die "Immunkomplexe" im Körper abbauen sollen, konnte bisher kein Wirksamkeitsnachweis geliefert werden - von ihrer Verwendung wird abgeraten. Während die Einnahme über den Mund zumindest ungefährlich ist, sind schwerwiegende Nebenwirkungen zu erwarten, wenn diese Enzyme injiziert werden. Abgeraten wird auch von der Chelattherapie, die auf der These gründet, dass Multiple Sklerose eine "Vergiftungskrankheit" sei. Diese These ist nach derzeitigen Wissensstand Spekulation. Die Einnahme von Chelatbildnern kann zu einem Mangel an Kalzium und Schwermetallen führen, was in Extremfällen in Krampfanfällen oder Atemstillstand münden kann.

Heilungschancen
Die Multiple Sklerose ist nach wie vor eine unheilbare Krankheit, die mehr oder weniger schnell fortschreitet. Die zur Verfügung stehenden Therapien können aber das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen und die Symptome mildern. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Multiple Sklerose-Patienten liegt mittlerweile nur mehr leicht unter dem Bevölkerungsdurchschnitt.
Obwohl Multiple Sklerose unheilbar ist, sterben nur sehr wenige Patienten an den direkten Folgen der Krankheit. Zwei Prozent erliegen einer durch Plaques im Atemzentrum hervorgerufenen Atemlähmung. Mehr als die Hälfte der Patienten sterben altersbedingt oder an anderen Krankheiten. Bei einem Drittel allerdings liegt die Todesursache in einer Lungenentzündung, deren Risiko durch die Multiple Sklerose erhöht wird. Auch Blutvergiftungen durch Harnwegsinfekte oder Wundliegen sind als indirekte Folge der Multiplen Sklerose zu sehen, treten aber eher selten auf.

Leben mit der Krankheit:
Die schwierige Auseinandersetzung mit der Krankheit kann durch körperliche und geistige Fitness erleichtert werden. Es ist wichtig, so viel wie möglich und so lange wie möglich Sport zu betreiben. Dadurch können auftretende körperliche Beeinträchtigungen gemildert werden.
Ein Gehirntraining (Gehirnjogging) kann dazu beitragen, dass die Veränderungen der geistigen Fähigkeiten weniger drastisch ausfallen.
Die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe kann eine große Hilfe bei der Bewältigung der Krankheit sein. Der betreuende Arzt sollte Adressen von Selbsthilfegruppen kennen. Kontakt zu Selbsthilfegruppen kann auch über entsprechende Dachverbände hergestellt werden.

Die richtige Ernährung bei Multipler Sklerose:
Mit der richtigen Ernährung können positive Effekte erzielt werden. Dabei geht es vor allem darum, Fettsäuren aus Fleisch und tierischen Fetten (außer Fischöl) einzuschränken und dafür ungesättigte Fettsäuren aus Pflanzen zu erhöhen. Dadurch können wahrscheinlich Entzündungsstoffe reduziert werden. In Fleisch und Butter z.B. sind größere Mengen der Fettsäure Arachnoidonsäure enthalten, die ein wichtiger Vorläufer von Entzündungsbotenstoffen ist. Mit einer normalen Mischkost nimmt man durchschnittlich 0,3 Gramm Arachnoidonsäure zu sich, mit einer eher vegetarisch orientierten Kost 0,05 Gramm.
Eine spezielle Diät mit einem therapeutischen Effekt gibt es aber nicht, auch wenn das manchmal suggeriert wird. Auch bei der glutenfreien Diät und der allergenfreien Diät konnte kein wirklicher Nutzen gefunden werden. Es gibt keinen Beweis dafür, dass Nahrungsmittelallergien bei Multiple Sklerose-Patienten häufiger sind als bei anderen Menschen und damit entfällt die Grundlage der allergenfreien Diät. Außerdem besitzen die im Rahmen dieser Diät durchgeführten Tests keine seriöse Aussagekraft.
Ob die vermehrte Zufuhr von antioxiditiv wirkenden Vitaminen und Spurenelementen einen Nutzen hat, ist noch nicht erwiesen. Hinweise in diese Richtung gibt es schon. Jedenfalls ist die Zufuhr von Vitaminen und Spurenelementen in Lebensmitteln der Einnahme in Tablettenform vorzuziehen. In Lebensmitteln ist die Bioverfügbarkeit besser und Vitamine und Spurenelemente stehen in einem optimalen Verhältnis zueinander. Auch bei Kapseln mit Primrose Öl (Gelbe Schlüsselblume) konnte bis jetzt kein Nutzen nachgewiesen werden.
Gegen Osteoporose kann mit einer Zufuhr von Calcitonin, Kalzium und Vitamin D vorgebeugt werden. Harnwegsinfekte können durch viel trinken zum Teil verhindert werden; viel trinken unterstützt auch die Behandlung von bestehenden Harnwegsinfekten.

Psychologische Betreuung:
Die psychologische Betreuung spielt bei der Multiplen Sklerose eine besonders große Rolle. Die mit zunehmender Krankheitsdauer häufig zunehmende depressive Grundstimmung kann die Wirkung der Rehabilitationsmaßnahmen stark einschränken. Das kann soweit gehen, dass der Patient um Jahre früher arbeitsunfähig wird, wenn die Krankheit an noch gar nicht so weit fortgeschritten ist.

Hilfen für den Alltag:
Es gibt sehr viele Hilfsmittel für alle Grade der Behinderung auf dem Markt. Nicht alle davon sind sinnvoll.

Betreuung zu Hause:
Viele Erkrankte wünschen sich eine Betreuung und Pflege in den eigenen vier Wänden
Ihnen stehen finanzielle Leistungen und fachliche Unterstützung zu (Pflegeversicherung). Wenn die persönlichen Voraussetzungen für die häusliche Pflege stimmen, ermöglicht die Zusammenarbeit miteinem ambulanten Pflegedienst eine optimale pflegerische Betreuung auch außerhalb der Klinik Wer für eine gute Organisation der Pfleg
e sorgt und sich das nötige Wissen über die Pflegepraxis aneignet, kann die Belastungen in Grenzen halten. Dazu trägt auch eine individuelle Anpassung der Wohnung.

                                         Quelle: “surfmed”.   gesundheitpro.de

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    Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden. Aber diese Informationen können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten und Ihnen ergänzende Hinweise liefern.



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