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Die Raute (Ruta graveolens, Rutaceae)
Volksnamen: Edelraute, Gartenraute, Hofraute, Kreuzraute, Totenkraut, Weinkraut, Weinraute Der Name kommt von ruta = bitter.
Beschreibung der Pflanze:
Mehrjährige Pflanze, glatte, blassgrüne Stängel, die im
unteren Teil verholzt sind. Höhe etwa 40 bis 90cm. Blätter graugrün, 2 - 3fach gefiedert mit durchscheinenden Öldrüsen, die einen herben aromatischen Duft verströmen. Die kleinen gelbgrünen Blüten sind zu
Trugdolden angeordnet. Blütezeit ist Juni bis August. Lebensdauer: Ausdauernd Vorkommen: Aus Südeuropa eingeführte Gartenpflanze, die in warmen Gegenden verwildert. Warnung:
Raute sollte nicht in hohen Dosen verwendet werden, da leicht toxisch, kann zu Fehlgeburten führen, Pflanzensaft reizt die Haut.
Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, ätherisches Öl, Flavonoide, Hyperin, Pectin, Cholin, ein Gykosid,Rutin (ähnliche Wirkung wie Vitamin P) Anwendung:
Emmenagogum, Antispasmodicum, Sedativum, Mittel gegen Kopfschmerzen, Schwindel, Koliken, Verdauungsbeschwerden, Beschwerden beim Harnlassen. Sammelgut: Blüten und Kraut im Juni und Juli gesammelt
Dosierung: Tee: 0,2 bis 1g zerkleinerte Drogen werden 10 bis 15 Minuten in einer Tasse Wasser gekocht; nach dem Absieben trinkt man 3-4 mal täglich. Der gleiche Auszug wird zum Gurgeln und als Mundwasser
verwendet. Kaltextrakt: 1 Teelöffel getrocknetes Kraut in einer Tasse kaltem Wasser 10 Stunden ziehen lassen, abseien und in ein oder zwei Portionen während des Tages einnehmen.
Tinktur: nur 15-20 Tropfen pro Gabe. In Rezepturen 1-3g. Rautenöl: Blätter in Olivenöl mazerieren; als Einreibung gegen Schmerzen, auch als Ohrentropfen. Blätteraufguss: In der Kosmetik erfrischt müde Augen.
Verwendung in der Küche: Die Samen ergeben zusammen mit Liebstöckel und Minze eine feine Rebhuhnmarinade. Die Blätter schmecken bitter,
in sehr geringen Mengen jedoch geben sie Rahmkäse, Ei- und Fischgerichten ein moschusartiges Aroma. Gewürz an grünem Salat, Käse, Lammfleisch, Wild, Saucen.
Zauberkraut und Magie:
Vertreibt alle Gifte und Kröten: "Wer dorthin geht, wo Schlangen wohnen, soll seine Füße mit den Blättern einreiben. Neben Salbei im Garten gepflanzt, vertreibt es die giftigen Kröten,
die den Salbei lieben. Plinius und Aelianus behaupten, das Wiesel würde vor dem Kampf mit einer Schlange Raute fressen, um sich giftfest zu machen. "Vier Räuberessig": Zusammen angesetzt
mit Wermut, Wacholderbeeren, Lavendel, Rosmarin, Kalmus, Zimt, Muskat, Nelken und Knoblauch schütze der Essig vier Räuber vor der Pest, so dass sie die Pestkranken und -toten ausrauben konnten.
Schützt Ordenleute, stark gegen Gifte, Katzen und den Teufel:
Wirkt antiaphrodisisch, beeinträchtigt die Zeugungsfähigkeit und hilft sexuelle Träume zu utnterdrücken.
Daher wurde Raute den Ordensleuten empfohlen, die keusch leben wollten. Junge Hühner und Tauben mit Rautensaft bespritzt, seien vor Katzen geschützt.Ebenso sollte man die Blätter im Stall aufhängen. Wer
Rautenblätter aß, brauchte sich nicht vor dem bösen Blick zu fürchten. Es gab auch Amulette aus der Pflanze. Um Hexen zu vertreiben, reibe man den Fußboden des Hause mit Raute ein.
Das Kraut in Blumenkästen gepflanzt wirkt als Schutz gegen Unglück. Man hänge sich Raute um den Hals und sage sich vom Teufel los, um Schwindelanfälle zu lindern. Um Wahnsinn zu heilen, mische man um
Mitternacht gesammelten Tau mit Raute.
Vertreibt und erweckt Liebe.
Gab man einem unerwünschten Verehrer Raute zu essen, so schwand sein Verlangen. Aber
ebenso konnte ein Verliebter die Liebe seiner Angebeteten erringen, wenn er an einem Sonntag vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang zu einer Raute ging und auf die Raute im Namen der begehrten Frau harnte, dann
Salz darauf streute, dann die Pflanze samt Wurzel ausgrub, daheim in die heilße Asche legte und eine lateinlische Beschwörung sprach, etwa in dem Sinn: "El.ol.omel! Die ihr Meister der Liebe seid, ich beschwöre
und befehle euch, dass ihr, wie diese Raute in der Asche verbrennt, die Sinne der der N:N: in Liebe zu mir entbrennen lasst, dass sie keine Ruhe habe, bis sie mir zu Willen ist." In Brautbett und Brautschuh
sollte die Raute vor Verhexung und Verzauberung schützen. Augenkraut und Totenkraut. Als Mittel zur Schärfung der Sehkraft wurde von einer Frau, die dabei nicht von einem Tier oder einem Kind beobachter
werden durfte, ein Rautenkranz gebunden, der dann über die Augen gelegt wurde unter sprechen einer Beschwörung. Dem Verstorbenen auf Kopf oder Brust in den Sarg gelegt, verwandelte sie sich in Gold und verhalf
dessen Seele, goldstrahlend im Himmel anzukommen.
Geschichtliches:
Die Raute kam schon im frühen Mittelalter mit den Benediktinerinnen über die Alpen in die Klostergärten. Walahfrid Strabo nennt sie im "Capitulare de
villis" und im "Hortulus", Hildegard von Bingen lobt die Raute und Sebastian Kneipp schätzte sie besonders. Konrad von Würzburg vergleicht sie in der Dichtung "Die goldene Schmiede" mit
derGottesmutter Maria. Alte Heilpflanze, Dioskurides erwähnt sie als wirksames Mittel gegen verschiedene Krankheiten und Gifte, auch als Abtreibungsmittel. Marzell berichtet, dass die Pflanze vor jungen Frauen
durch Eisengitter geschützt weden musste, bei Saint-Lubin hieß sie daher auch "herbe à la belle fille", teilweise glaubte man, schon die Berührung führe zum Abort.
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